KELLER · DER JAHRGANG 2009
 

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Rheinhessen 2009 - Ein einzig Herbstmärchen!

… von der Sonne gesüsst!

Die Traube ist rund …

und idealerweise klein, mit einer dicken Schale versehen und wenn sie in einem Jahrgang wie 2009 heranreift, sind selbst kleine Wunder möglich. Sollte unsere Nationalmannschaft in Südafrika auch nur annähernd solche Bedingungen vorfinden wie wir Winzer im Herbst 2009, kämpferisch alles geben und das Glück des Tüchtigen besitzen, steht eines bereits jetzt außer Frage: Wir haben alle Chance, Weltmeister zu werden!

Es fällt mir im Jahrgang 2009 schwer, mich auf Rebsorten oder Lagen festzulegen, die herausragten – denn, um im Fußballjargon zu bleiben: Jeder Schuss war ein Treffer!

Doch wie man mit Talent allein kein Weltmeister wird, machte man auch in 2009 nicht automatisch großen Wein. Qualität kommt von Quälen! Von guter Vorbereitung der Rebstöcke während des Sommers und unermüdlicher Einsatzfreude im Weinberg – Von der bedingungslosen Liebe zum Wein!

Klaus und Felix Keller bei der Arbeit im Weinberg
Klaus und Felix Keller bei der Arbeit im Weinberg


Dabei meinte es die Natur in 2009 natürlich besonders gut mit uns. Es hingen wohl die schönsten Trauben seit dem 2001er-Jahrgang an den Reben. Mein 84-jähriger Opa meinte sogar: „So schöne Trauben hab ich in meinem ganzen Leben vielleicht nur zwei- oder dreimal gesehen.“ Kein Wunder, denn nach einem bitterkalten und nassen Winter beschleunigte ein sommerlich warmer April das Pflanzenwachstum. Ähnlich wie im großen 2007er Jahrgang stand eine zeitige Blüte an. Dies ist zunächst nicht immer positiv, denn eine frühe Blüte bedeutet in vielen Fällen auch eine frühe Ernte, die wir überhaupt nicht wollen, da erst die kalten Spätherbstnächte die aufregendsten Aromen in die Trauben zaubern. Zu unserem Glück verzögerte sich dann die Blüte wegen einer feuchten und kühlen Witterungsperiode. So lief die Blüte langsam und ungleichmäßig in unserem rheinhessischen Hügelland ab, was zur Folge hatte, dass sich traumhaft lockere Träubchen –oftmals auch kernlose, jungfernfrüchtige Beeren – mit dicker Schale und besonders intensiven Aromen bildeten.

„Wie pures Gold“ – Kleine Beeren im Jahrgang 2009
„Wie pures Gold“ – Kleine Beeren im Jahrgang 2009

Die Natur hatte frühzeitig im Jahr eine erste Ertragsreduzierung durchgeführt und uns damit eine wunderbare Steilvorlage geliefert. Es roch förmlich nach einem Treffer!

Dann folgten wechselhafte Witterungsbedingungen in Juni und Juli, ehe es im August wieder freundlicher wurde. Optimale Bedingungen, denn die Rieslingrebe liebt übermäßige Hitze nicht! Der Bodenwasserspeicher war daher gut gefüllt – die Reben tankten Kraft und Energie für den nahenden Herbst. Auffällig in dieser Entwicklungsperiode war, dass die Laubwand sehr zügig wuchs, während die Beeren kaum an Volumen zulegten und herrlich klein blieben. Wenig Saft konzentrierte sich so in den aromatischen Beerchen.

Was dann ab der zweiten Septemberhälfte geschah, kann man nur als Geschenk des Himmels bezeichnen. Ein traumhafter Altweibersommer hielt Einzug – die Weinreben profitierten von kühlen Nächten und nicht zu heißen Tagen. Die Säure baute sich nur langsam ab und gleichzeitig freuten wir uns über einen sehr moderaten Zuckeranstieg. Und es kommt eher selten vor, dass die spät reifende Rieslingtraube bereits Ende September recht gut zu probieren ist – in 2009 war es der Fall!

Und genau hier lauerte eine große Gefahr: Wie eine begeisternden Offensivfußball spielende Mannschaft konnte man in einen tödlichen Konter laufen! Wer zu diesem Zeitpunkt der Verlockung einer frühen und damit risikoarmen Ernte erlag, hatte danach allenfalls saubere, aber noch viel zu saure und wenig komplexe Säftchen im Keller und so mancher Weinfreund wird sich später beim Probieren solcher Weine entgeistert fragen, wo denn bitte schön die Traumqualität des bereits heute allseits gelobten 2009 geblieben ist. Nur mit Geduld und Risikofreude waren in 2009 große Weine möglich, denn die beste Vorlage der Natur, wie die eines genialen Regisseurs auf dem Fußballplatz, nützt nichts, wenn der Stürmer vor dem Tor versagt. Das Runde muss eben ins Eckige, wie es Sepp Herberger so schön formulierte. Und nur optimal ausgereifte Träubchen dürfen bei uns ins Fass. Sie sind die Grundlage aller Qualität!

Das Erntefenster für die absoluten Topqualitäten in unseren rheinhessischen Spitzenlagen lag beim Riesling zwischen dem 20. Oktober und 03. November, das heißt, etwas früher als in Jahrgängen wie 2008 und 2004, wo man die Ernte bis Ende November hinauszögern konnte und musste, um eine optimale Reife zu erzielen. Nach dem 03. November setzten heftige Niederschläge die deutschen Weinbaugebiete unter Wasser und so wie die Qualität als Geschenk der Natur und unermüdlicher Weinbergsarbeit in den Sommermonaten gekommen war, so wäre sie mit dem Regen davongeschwommen, wenn die Ernte zu diesem Zeitpunkt nicht eingebracht gewesen wäre!

Doch nochmals zurück zu den Gegebenheiten zu Beginn der Lese: Anfang Oktober war nach der Ernte von herrlich leckeren Silvaner- und Burgundertrauben zunächst Geduld gefragt – DER Schlüssel zum Jahrgang 2009! Denn die Rieslingtraube profitiert wie keine andere von einer langen Vegetationsperiode und kalten Herbstnächten; sie gewinnt an aromatischer Konzentration und bildet dieses unverwechselbare Spiel aus zwischen Finesse, Eleganz und einzigartiger Säurefrische, das die großen deutschen Rieslingweine zu weltweit einzigartigen Unikaten macht.


Beim Beerenschmecken – Klaus und Klaus Peter Keller

Doch Geduld behalten ist nicht immer einfach. Denn wir haben ein phantastisches Ernteteam und natürlich brennt die Mannschaft auf ihren Einsatz. So war es eine der großen Herausforderungen der Ernte 2009, unseren Helfern immer wieder erklären zu müssen, warum wir bei besten äußeren Bedingungen die am Rebstock verführerisch golden schimmernden Beeren noch nicht abernten wollten. Aber uns fehlte in dieser Phase Anfang Oktober beim Verkosten der Beeren einfach noch der allerletzte Kick an aromatischer Intensität und Komplexität, nach der wir für unsere Spitzenweine Jahrgang für Jahrgang suchen. So nahmen wir uns kurzerhand sogar die Zeit für einen kleinen Abstecher an die benachbarte Nahe zu unseren Winzerkollegen Helmut Dönnhoff und Tim Fröhlich, die uns beide mit breitem Grinsen im Gesicht begrüßten und gut gelaunt ihre Weine so reichlich für uns ausschenkten, dass wir beinahe über Nacht hätten bleiben müssen...

Und alles Warten hat sich gelohnt, denn als in der zweiten Oktoberhälfte die Temperaturen bis unter den Gefrierpunkt (!) absackten, kam es in den darauf folgenden Tagen zur erhofften Aromenexplosion in den Beeren. Die kühlen Temperaturen garantierten stabile Säurewerte und endlich waren feinste, durchdringende, explosive Fruchtaromen und präzise mineralische Noten beim Genuss der Rieslingtrauben zu erschmecken.

Bis zum 3. November nutzten wir die geradezu märchenhaften Bedingungen, um unsere Parzellen in Morstein, Hubacker, Kirchspiel, AbtsE und die neue, kleine Lage im steilen Pettenthal an der Rheinfront zu ernten.

Mein Fazit: Rot wie weiß, edelsüß wie trocken – 2009 wird als großartiger Jahrgang in die Annalen unseres Weingutes eingehen. Wir möchten uns bei allen ganz herzlich bedanken, die geholfen haben, diese Geschenke der Natur zum exakt richtigen Zeitpunkt in den Keller zu bekommen! Und unserer Fußballnationalmannschaft wünschen wir die Fortune, die man braucht, um Weltmeister werden zu können.

Glück auf!

Die Ernteergebnisse:

Rieslaner vom Silberberg

Die Rieslanerbeeren sind immer sehr klein- in 2009 waren sie winzig. Es gab wenig Botrytis, dafür einen hohen Anteil gesund eingetrockneter Beeren, die phantastische Frucht und Säure aufweisen. Von der Spätlese bis zur Beerenauslese ein Musterjahrgang für Rieslaner!

Silvaner von Bürgel und Steingrube

Silvaner zum „Reinbeißen“. Es wird einen knackig-frischen Basissilvaner geben und wir versprechen Ihnen mit großer Vorfreude ein geniales Fass aus alten Reben.

Weissburgunder & Grauburgunder

Die Ertragsreduktion von bis zu 30% infolge der Verrieslung bei der Blüte hat zu feinmaschigen, betörenden Burgundern geführt. Bilderbuchjahrgang! Feine Noten von Brioche und eine dichte, belebende Struktur weisen die Weine auf.

Spätburgunder & Frühburgunder von BÜRGEL und Frauenberg

Blick vom Frauenberg im Herbst 2009
Blick vom Frauenberg im Herbst 2009

Auch hier finden wir ähnliche Mengenrückgänge wie bei den weißen Burgundersorten, Mostgewichte zwischen 96° und 99° Oechsle. Die Jungweine zeigen sich vor dem Säureabbau sehnig und nervig mit dichter Frucht und tief rubinroter Farbe.


Riesling „von der Fels“

Ein Prachtstück mit viel Charakter in 2009!
Die jüngeren Reben der Grossen Gewächs-Lagen waren aufgrund des sehr ausgeglichenen Wasserhaushaltes in Hochform. Der „von der Fels“ wird mit Sicherheit größtes Trinkvergnügen bereiten, oder wie Eric Assimov, Chefverkoster der New York Times, es begeistert beschreibt: „Der „von der Fels“ hat mich verzaubert. Er zeigt die große mineralische Seele der Riesling Traube.“

Grosse Gewächs LAGEN Riesling

Jancis Robinson, MW in der Financial Times:
“Wenn ich nur einen einzigen Wein zeigen dürfte um zu beweisen wie großartig trockene deutsche Riesling sind, würde ich einen Keller-Riesling wählen. Diese Weine sind die deutschen Montrachets.“

(Bei diesen Weinen haben sie, liebe Weinfreunde, wie gewohnt, im Frühjahr die Möglichkeit, ihre Wünsche auf unserer Reservierungsliste einzutragen.).

MORSTEIN Westhofen

Mostgewichte von 92° bis 230° Oechsle. Ein ausgezeichneter Morstein-Jahrgang mit viel rauchig, kühler Mineralik. Erinnert uns in der Jugend ein wenig an den genialen 2002er Jahrgang



KIRCHSPIEL Westhofen

Mostgewichte von 91° bis 236° Oechsle. Tänzerisch und konzentriert zugleich. Feinnervige, kräuterwürzige Spätlese, Auslesen mit brillantem Spiel, atemberaubende Trockenbeerenauslese. Großer Kirchspieljahrgang!



HUBACKER Dalsheim

Julia Keller bei der Ernte im Hubacker
Julia Keller bei der Ernte im Hubacker

Die kleinen Trauben führten zu phantastischer Aromadichte. Im trockenen wie im fruchtsüßen Bereich ein tolles Hubackerjahr. Sehr feine Noten von Passionsfrucht treffen auf präzis- mineralischen, saftig, dichten – leicht rauchigen – Körper.

(Einmal, muß ich leider zugeben, wurden wir in diesem Herbst dann doch von der Natur ausgekontert : Die geplante Hubacker Trockenbeerenauslese konnten wir aufgrund der Niederschläge im November nicht mehr einbringen. Dafür sind wir für ein Füllhorn toller Auslese- Partien dankbar.)

 

AbtsE Westhofen

Wildromantisch gelegen – die Abtserde
Wildromantisch gelegen – die AbtsE

Feinste Kalksteinexotik, gelbe Früchte, mineralischer Schliff! Die alten Reben waren 2009 in wahrer Topform. Diesen Gänsehaut-Jahrgang hätten die Bischöfe vor 500 Jahren mit Sicherheit auch geliebt.

 

PETTENTHAL Nierstein

2009 – Premiere im Pettenthal
2009 – Premiere im Pettenthal

Ausgezeichnete Bedingungen auch für unsere kleine Parzelle am Rhein. Feinrassiger, fruchtsüsser Kabinett und nach Steinobst, Kräuter schmeckendes, schiefrig, salziges Grosses Gewächs.



HERBSTIMPRESSIONEN

 
Geisenheim-Student Patrick Schröder und Klaus Peter bei der Riesling-Vorlese.   Gutes Essen und Trinken ist imme die beste Motivation bei der Ernte. Unser Geselle Julian Haart von der Mittelmosel.
 
Ab in die Kisten. Julia, Elke und Johannes beim Austeilen der Erntekisten.   Nur noch die vollen Kisten einladen.
Auch unsere Freunde Anna und David aus Paris waren begeistert mit dabei – kein Wunder bei dem tollen Wetter.
Ende Oktober konnte man fantastische Botrytisbeeren für Süsswein sammeln.
 
Auch die junge Generation hilft …   … und praesentiert voller Stolz die gesammelten Botrytisbeeren.

Keller Senior und Junior – Qualitätskontrolle in der AbtsE.

Deftiges Mittagessen im Sprinter – Julia, Klaus-Peter und Julian.
 
2009er Hubacker-Trauben werden in der Bütte eingemaischt.   Wie gemalt – goldgelbe verrieselte Kirchspiel-Trauben im Eimer.
 
Anne und David befüllen die ersten Rotweinfässer mit der Ernte 2009.   Unser Glücksschwein Flecki freut sich mit uns über den Jahrgang.
Weinfan Jasper aus Dänemark half gerne bei der Ernte.