KELLER · DER JAHRGANG 2008
 

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Der Jahrgang 2008 – Auf der Suche nach der Schild(bürger)laus

Liebe Weinfreunde,

unserer sympathischen norwegischen Praktikantin Anne Enggrav (vielen von ihnen, liebe Kunden, ist Anne durch ihre Besuche im Weingut ein vertrautes Gesicht geworden) hat es bei uns besonders der Riesling angetan.



Anne beim Traktor fahren


Und gleich so sehr, dass wir gemeinsam im Juni 2008 die ersten Riesling Reben auf die Granitböden in Kristiansand an der Südküste Norwegens gepflanzt haben. Bevor die Reben nach Norwegen gebracht werden konnten, hatten wir allerdings noch einen Kampf mit den norwegischen Behörden auszutragen- denn die bestanden auf ein Unbedenklichkeitszeugnis der Reben. Die Einfuhr sollte nur dann gestattet werden, wenn unsere Reben keinen Befall mit Guinea Schildläusen aufweisen. Diese Tierchen waren uns bislang völlig unbekannt und sind auch bislang an deutschen Reben noch nicht gesichtet worden. Doch das half nicht weiter.

Erst als auch im Labor des Dienstleistungszentrums in Neustadt an der Weinstraße keine Schaderreger feststellt wurden, lenkten die Behörden in Oslo ein und der Anpflanzung stand nichts mehr im Wege!
Anne ist inzwischen nach Norwegen zurückgekehrt und wird das interessante Projekt selbständig betreuen. Den ersten Wein von dort könnte es – bei entsprechender Witterung- in 2011 geben.
Die Schildlaus kommt aufs Etikett …

Zum Glück müssen wir hier in Dalsheim nicht mehr so lange auf den nächsten Jahrgang warten. Bereits ab März 2009 gibt es wieder Wein – dann werden die ersten Fässer der 2008er Ernte abgefüllt.

Doch wie war er denn jetzt, der Jahrgang 2008?

2008 zählt zu den zehn wärmsten Jahren seit Beginn der Aufzeichnungen in 1901. Das wir das oftmals nicht ganz so empfunden haben, liegt vielleicht daran, dass die Natur 2008 nur sehr langsam in Schwung kam.

Der Austrieb des jungen Grüns begann in 2008 deutlich später, als wir das in den letzten Jahren gewohnt waren. Insbesondere der kühle und regnerische April (mit mehr als 80 mm Niederschlag) führte zu einem nahezu zehntägigen Vegetationsrückstand im Vergleich zum Vorjahr. Doch der etwas zögerliche Start war bald vergessen als die hochsommerlichen Temperaturen in Mai und Juni das Wachstum derart beschleunigten, dass wir mit der Arbeit im Weinberg kaum nachkamen.

In diesem Wachstumsabschnitt der Rebe achten wir penibel darauf, dass die Rebtriebe möglichst gerade aufwachsen, um optimale Durchlüftungs- und Belichtungsbedingungen für die heranwachsenden Trauben zu bieten. Gleichzeitig werden überschüssige Triebe am Rebstamm (sog. Wasserschosse) entfernt, damit die volle Kraft der Rebe in die Ausbildung der jungen Trauben geleitet wird.

Im August bekamen wir dann endlich die lang ersehnten Regenfälle( einige Kollegen hatten aufgrund der Trockenheit bereits mit der Bewässerung von Rebanlagen begonnen). Auch wenn dieser Monat in 2008 kein ideales Badewetter lieferte, war er dennoch fast 1°C wärmer als im langjährigen Schnitt. Um die üppig wachsenden Wildkräuter zu bändigen, mussten wir zahlreiche Extraschichten mit der Handhacke einschieben. „Da haben wir uns was angefangen mit der AbtsE“, stöhnte unser Mitarbeiter Werner Mayer, „der Boden ist hier ja beinahe wie im Steinbruch.“ Aber nach 3 Tagen mit unserem kompletten Team war der Boden um die Rebpflanzen perfekt gelockert und die Wachstumsbedingungen ideal.

Im zunächst feuchten September entfernten wir überschüssige Blätter aus der Laubwand um ein schnelles Abtrocknen der Trauben zu gewährleisten und zu zeitigen Botrytisbefall zu verhindern. Die Säure wurde in dieser Reifephase langsamer veratmet als in den Vorjahren und pendelte sich auf 2004er Niveau ein. Das stabile Säuregerüst in Kombination mit den sehr hohen Extraktwerten dürfte ideale Voraussetzungen für einen besonders langlebigen und lagerfähigen  Jahrgang bieten. Allerdings nur dort, wo die Winzer das Risiko eingingen die Vegetationsperiode bis in den November hinein voll auszureizen. Denn im Unterschied zu manchen Vorjahren war 2008 ein Jahr in dem man richtig kämpfen musste, um perfekte Reife zu bekommen.

 



Strahlend klare, kühle Oktobernächte bewahrten die Säure. komplexe Aromen konnten sich in den Trauben bilden.



Zur optimalen Reife trug entscheidend der regenarme Oktober bei. Mit nur 12mm Niederschlag fielen nur 25% der normalen Oktobermenge – bei Tagestemperaturen zwischen 10 und 15°C kam es zu einer langsamen Ausreife der Trauben und die Beeren bildeten besonders feine und komplexe Aromen aus.
Zahlreiche Riesling- Lagen erreichten ihre volle physiologische Reife sogar erst im November ( ähnlich wie im 04er Jahrgang).

Max und Felix Keller

Max(8) und Felix(11) helfen mit Begeisterung bei der Ernte


Wir sind erneut sehr stolz darauf, dass alle vier Kellergenerationen ihren Anteil am Gelingen des Jahrgangs haben. Wir freuen uns, dass unsere jüngsten Felix und Maximilian mit Begeisterung im Weinberg mit dabei sind und auch 2008 vom Gutswein bis zum Grossen Gewächs und den edelsüssen Spezialitäten wieder zahlreiche großartige Fässer im Keller blubbern.


DER ERNTE 2008

Pures Trinkvergnügen

Schon die Einstiegsweine von Riesling, Silvaner, Weiss- & Grauburgunder zeigen klare, frische, besonders sortentypische Frucht und moderaten Alkohol. Weine, die pures Trinkvergnügen bereiten- ein Schluck macht Lust auf den nächsten!

Bei einer großen Vergleichsprobe trockener deutscher Gutsrieslinge des DN Magazins in Norwegen erhält unser Einstiegsriesling 91 P. und somit die höchste Bewertung des Jahrgangs 2007 in seiner Kategorie. Redakteur Tom Marthinsen lobt vor allem das „sensationelle Preis-Genuss-Verhältnis“ dieses Weines. Freuen sie sich mit uns auf den ähnlich guten 2008er Jahrgang!



Eine kräftige Silvanersuppe und die Ernte kann weitergehen.
Praktikant Lukas Rieder aus Österreich.


Zu den einzelnen Lagen :

Monsheim Silberberg – Rieslaner (124° - 220° Oechsle)
Westhofen Morstein – Scheurebe

Rassige Rieslaner-Qualitäten von höchster Güte sind in 2008 gewachsen. Mostgewichte zwischen 124°und 220° Oechsle bei Säuren zwischen 10 und 16 Promille deuten auf besonders lagerfähige Qualitäten hin.

Allerdings sind die Mengen ca. 30% kleiner als in 2007. Beim Scheu wird es eine von Grapefruit und Cassis-Noten geprägte Beerenauslese geben.

Dalsheim BÜRGEL –Spätburgunder (96° - 100° Oechsle)
Nieder-Flörsheim FRAUENBERG – Spätburgunder

Die Erntemenge ist mit 21 Fässern knapp unter dem Vorjahr- die Qualität ist toll. Großer Dank gilt unserem Freund David Rayer, einem großen Riesling & Pinot-Fan aus Paris, der immer zahlreiche gute Tipps und Anregungen mitbringt um die Qualität noch etwas zu steigern.



David Rayer und Felix Keller beim Handentrappen der Spätburgunder


Silvaner aus Bürgel & Steingrube (84° -95° Oechsle)

Äußerst vielversprechende Aromen von frischem Wiesenheu und feine mineralische Noten zeigen die 2008er Silvaner. Insbesondere die auf Muschelkalk im Bürgel gelegenen Parzellen lieferten wieder Silvaner „zum Reinbeißen“.

Weiss- & Grauburgunder (92° - 102° Oechsle)

Wir haben die vielleicht besten Qualitäten für unsere –S- Weine im Keller. Bereits die Basisqualitäten sind feinfruchtig, cremig und sehr elegant, dazu äußerst trinkanimierend.

Die Grossen Gewächse (92° - 101°Oechsle)

Es wird ein Jahrgang werden, der stilistisch vielleicht am ehesten mit 2004 zu vergleichen ist. Alle Lagen sind von feiner Mineralität und sehr bodenspezifischen Fruchtkomponenten geprägt. Das KIRCHSPIEL ist wieder eine richtige „Primaballerina“, HUBACKER besitzt die typische Exotik des gelben Kalksteins, MORSTEIN ist tief mineralisch ( Jancis Robinson:“A thinking wine- not a drinking wine“) und AbtsE und G-MAX schweben geradezu über die Zunge. Der helle Kalksteinboden verleiht dem G- Max in 2008 eine unglaubliche Präzision. Wir mussten härter kämpfen als in 2007- aber es hat sich wieder voll gelohnt. Nur sind die Mengen leider etwas geringer als in den Vorjahren

Die immer besser werdende Qualität der deutschen Rieslinge findet auch international zunehmend Beachtung Robert Parker schreibt im Wine Advocat:„Ehemals berühmte Lagen in Dalsheim und Westhofen erfahren durch das Weingut Keller einen bemerkenswerten Aufschwung.“

Und die britische Weinjournalistin Jancis Robinson, MW (Financial Times) bemerkt: „Wenn ich nur einen Wein zeigen dürfte um zu beweisen wie großartig trockene deutsche Rieslinge sind, würde ich einen Keller-Riesling wählen. Diese Weine sind die deutschen Montrachets.“

P.S.: Die Grossen Gewächse von 2008 und Spitzenburgunder aus 2008 (weiss) und 2007 (rot) werden den treuen Kunden unseres Hauses – wie gewohnt – ab ca. Ende April 2009 wieder zur Reservierung angeboten.



Bei der Ernte der Grossen Gewächse im November waren die Blätter schon abgefallen.
Die Trauben profitierten vom goldenen Novemberwetter


„Von der Fels“

Für unseren „Zweitwein“ aus den besten Lagen verwenden wir in der Regel die jüngeren Reben der besten Kalkstein- Stücke (ca. bis 20 Jahre) Eine neu bepflanzte Rebfläche in der AbtsE fließt seit dem Jahrgang 2007 mit in diesen Wein. Jahr für Jahr bietet der „von der Fels“ somit einen fantastischen Vorgeschmack auf die Großen Gewächse des Jahrgangs.

Zudem bringt er die fantastische Frucht und Rasse des Kalksteinbodens mit erfreulich moderatem Alkohol zum Ausdruck.

Für den Gault Millau 2009 ist der „von der Fels“ ein trockener Riesling „der anderen Gütern als Spitzenwein zur Ehre gereichen“ würde.

Eriv Assimov schreibt in der New York Times 5/08: “Der “von der Fels” hat mich verzaubert. Er zeigt die große mineralische Seele der Rieslingtraube.“ 

Wir wünschen Ihnen ein gesundes und zufriedenes Jahr 2009 und freuen uns auf anregende Weingespräche.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Familie Keller